Aufgeklärt: Das Phänomen Hipster Bart

Headerbild Hipster Bart

Aufgeklärt: Das Phänomen Hipsterbart

Wenn du heutzutage einen Vollbart trägst wirst du schnell als Hipster abgestempelt. Doch was macht einen Bart zu einem sogenannten Hipster Bart? Wie entstand der Trend und für was steht das Hipstertum an sich? Wir blicken hinter ein Phänomen, dass den öffentlichen Diskurs seit mehr als einem Jahrzehnt auf Trab hält.

Zurück auf Anfang: Woher kommen Hipster?

Wann genau das Hipstertum aufgekommen ist, kann man pauschal nicht sagen. Dennoch: Irgendwann um den Beginn der 2010er Jahre waren die ersten Hipster plötzlich da und wurden stetig mehr. Ihr Antrieb: Individualität. Nonkonformität. Selbstbestimmung.

Aus New York raus in die Welt

Wo dieser Trend begann? In urbanen Stadtteilen wie dem New Yorker Williamsburg. Schnell avancierte sich der Vollbart als manifestierter Gegenpol zum glattrasierten mextrosexuellen Stil der 2000er. Doch er blieb nicht auf New York beschränkt. 

In Windeseile schwappte der Trend aus Big Apple um die Welt — nicht zuletzt dank der steigenden Popularität von sozialen Netzwerken. So war es unumgänglich, dass sich der Hipster Bart auch hier zu einem Kult-Statussymbol entwickelte.

Explosionsartig schossen Barbershops aus den Böden wie die Deutschen zur ersten freien Liege am Pool auf Mallorca. Mit einher gingen auch spezielle Produkte rund um den Bart — ein Trend, der sich bis heute hält.

Schön und gut: Aber was ist jetzt ein Hipster Bart?

Es gibt viele Mythen und Gerüchte darüber, was denn nun der klassische Hipster Bart überhaupt sein soll. Dabei steckt dahinter, wie bereits angeteasert, der uns allen bekannte Vollbart. Gut, jeder von uns definiert einen Vollbart anders — so auch das Hipstertum. Denn für einen waschechten Hipster-Vollbart müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.

Weg vom Hippie-Image

Oftmals werden Hipster Bärte, unter anderem wegen der Ähnlichkeit der Begriffe, mit den Hippie Bärten der 68er verwechselt. Beide Bartstyles basieren zwar auf dem Vollbart, sind jedoch völlig unterschiedlich ausgeprägt. Während der Hippie-Ära ging es vor allem um Wildheit. Dies spiegelte sich auch entsprechend in den Bärten der Anhänger wieder. Hippies trugen vor allem verrückte Rausch- oder Krauselbärte, die frei dem Motto “go wild” folgten. 

Der “ordentliche” Hippie

Hipster Bärte hingegen stellen das komplette Gegenteil der “go wild”-Bärte dar. Eine ordentliche Trimmung und perfektes Styling gehören quasi zur Grundausstattung. Ergänzt wird der “ordentliche” Hippie durch messerscharfe Konturen oder einen sauber gestutzten Oberlippenbart. Obendrauf gibt es einige Sondermodelle, die sich durch auffällige Kotletten oder einen verrückten Moustache (z.B. gezwirbelt) auszeichnen.

Ist der Hipster Bart nur ein Modephänomen?

Essenz der meisten Bewegungen oder Trends ist, dass sie meist durch gesellschaftspolitische Anliegen ausgelöst werden. Bei den Hippies war dies der Fall. Doch lässt sich das auch auf das Hipstertum und Hipster Bärte übertragen?

Drang nach Individualität und Selbstbestimmung

Auch der Hipster Bart versucht hier einen Nerv zu treffen. Zum einen repräsentiert der Bart Männlichkeit. Viele Männer nutzen den Bart als Kampfansage zum emanzipierten Frauenbild. Es geht also zurück zum Kern des Männerbildes, welches Mann und Frau voneinander unterscheidet. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass die Emanzipation der Frau etwas schlechtes ist! 

Freiheit und Vermeidung von Einheitsbrei

Vielmehr geht um die Freiheit, über sich selbst zu bestimmen und seinen “eigenen Weg” zu finden und zu gehen. Auch der Individualitäts-Aspekt findet großen Anklang in der Hipster-Bewegung. Niemand möchte gleich aussehen und sich vom taktieren, glattrasierten Männerbild emanzipieren. Das dies natürlich zwangsläufig zu einem neuen Einheitsbrei führt, ist den meisten dabei unklar.

Wie sieht der zukünftige Einheits-Hipster-Brei aus?

Garniert mit einem Esslöffel Zimt und abgeschmeckt mit etwas Joghurt dürften wir auf jeden Fall eine kulinarische Überraschung erleben. Nein, nun einmal im Ernst: Das Schöne an der Zukunft ist doch, dass niemand weiß, wie sie aussehen wird. Was jedoch feststeht: Wir bekommen unseren Hipster-Einheitsbrei (wenn wir ihn nicht sogar schon haben). Woran das liegt?

Wissenschaftliche Studie zeigt Verhaltensfluss von Nonkonformisten auf

Ein US-amerikanischer Wissenschaftler der Brandeis Universität stellt in seinem wissenschaftlichen Beitrag „The Hipster Effect: When Anticonformists All Looks The Same“ fest, dass sich das nonkonforme Verhalten der Hipster synchronisieren wird und sich alle weitestgehend ähnlich entwickeln werden. Dass das nicht überall zur selben Zeit passiert, liegt vor allem daran, dass sich Trends nicht simultan entwickeln. Vielmehr kommen sie in Schüben — bis sie irgendwann zum Mainstream werden. So ist der New Yorker Hipster vielleicht schon gar kein Hipster im klassischen Sinne mehr, während die Männer in Tokio den Stil gerade erst für sich entdecken und damit identifizieren. (Nichts für ungut, liebe Männer in Tokio.) 

Veränderung unvermeidbar

Während also weltweit die Hipster-Bärte sprießen, werden die “Anfangs-Hipster” wahrscheinlich schon einen neuen Stil für sich entwickelt haben. Das kann zum Beispiel der derzeit aufkommende Moustache-Trend (unabhängig vom Movember) sein. Oder aber uns erwartet ein völlig neues Bart-Phänomen. Für uns steht fest: Ob Hipster oder nicht — Hauptsache du liebst  deinen Bart und fühlst dich wohl. Unabhängig davon, wie die Gesellschaft versucht dich zu labeln. 

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